Thema Des Monats

„Der Gewinn liegt im Einkauf“.

Immer mehr Banken ziehen sich aus dem Geschäft mit Schiffsfinanzierungen zurück und kappen die Verbindung zu den Reedern. Der KG-Markt liegt darnieder. Doch nie war der Zeitpunkt besser, um Schiffe zu erwerben, meint der Geschäftsführer und Gesellschafter Mad Dabelstein im Interview. MarConsult plant daher in den kommenden 12 bis 14 Monaten zu expandieren und bis zu zehn weitere Schiffe zu übernehmen.

Frage: Herr Dabelstein, wie kooperativ verhalten sich Banken in der Schifffahrtskrise?

Mad Dabelstein: Es kommt auf den Einzelfall an. Wenn es um eine Umfinanzierung geht, ist die Bereitschaft der Banken, frische Darlehen für eine neue Gesellschaft zur Verfügung zu stellen , relativ groß. Denn so haben die Banken die Chance, künftig eine gesunde Finanzierung in den Büchern zu haben, statt das notleidende Engagement heute abzuschreiben und ihre eingesetzten Darlehen zu einem Großteil zu verlieren. Voraussetzung hierfür ist aber immer die Platzierung frischen Eigenkapitals

Frage: Neue Schiffe haben es schwieriger?

Mad Dabelstein: Auf Neubauprojekte sehe ich erhebliche Probleme zukommen. Basel III und die strenge Bankenregulierung wirken sich erschwerend auf Schiffsfinanzierungen aus. Bald wird es die klassische Einschiffs-KG nicht mehr geben. Der KG-Markt ist praktisch tot und die Neubau-Aktivitäten haben drastisch nachgelassen. Dies hängt unter anderem auch damit zusammen, dass erforderliches Eigenkapital bereits bei Zeichnung etwaiger Neubauten vorbehaltlos zur Verfügung stehen muss. Die aus den vergangenen Jahrzehnten durch Emissionshäuser ausgesprochenen Platzierungsgarantien werden künftig nicht mehr akzeptiert.

Frage: Woher kommt dann das Kapital für Neubauten?

Mad Dabelstein: Private-Equity-Gesellschaften investieren in die Schifffahrt. Große Pensions- und Rentenfonds diversifizieren durch Reederei-Investments ihr Anlage-Portfolio. Beispiele sind etwa Oaktree und JP Morgan. Das aber bleiben Ausnahmen, die nicht das Volumen des früheren KG-Marktes ersetzen. Die Finanzierung wird sich komplett ändern.

Frage: Ziehen sich die Banken aus dem Geschäft zurück?

Mad Dabelstein: Die Aussage der HSH Nordbank ist klar, die der Commerzbank noch klarer: Keine Schiffe mehr! Doch wenn der Markt sich dreht, werden diese Banken sich ebenso wieder drehen und Schiffe finanzieren.

Frage: Ist der Rückzug der Banken klug?

Mad Dabelstein: Nein, die Strategie ist ungeschickt. Langjährige Geschäftsverbindungen werden abrupt beendet und sowohl Fremdkapital als auch Eigenkapital vernichtet. Damit ist das Vertrauen der Investoren zu den Banken gestört und die Verbindung zu den Reedern komplett gekappt. So berauben sich die Banken eines Marktes, der für sie früher sehr lukrativ war und sie zu Weltmarktführern auf diesem Gebiet gemacht hat.

Frage: Ist nicht gerade jetzt der Zeitpunkt, um Schiffe zu kaufen?

Mad Dabelstein: Der Zeitpunkt war nie besser. Der Gewinn liegt im Einkauf, das haben uns die griechischen Reeder immer vorgemacht. Das KG-Modell der Vergangenheit war aber in aller Regel nicht von Unternehmertum geprägt. Der Einsatz von Eigenkapital branchenfremder Investoren war erforderlich und die haben vornehmlich investiert, wenn die Ertragslage rosig und die zu zahlenden Schiffspreise damit sehr hoch waren. Die Platzierung erforderlichen Eigenkapitals durch Emissionshäuser und deren Vertriebe funktionierte in den starken Märkten und damit ausschließlich auf hohem bis sehr hohem Preisniveau. Das Risiko in konjunkturelle schwache Marktphasen zu fahren war damit deutlich größer, als die Chance noch stärkere Märkte vorzufinden. Ein blinder, gieriger Herdentrieb. Nun ist der Markt komplett übersäuert und der Begriff Schiffsbeteiligung ein Schimpfwort.

Frage: Wie wollen Sie dann Schiffskäufe finanzieren?

Mad Dabelstein: Mit Hilfe von Banken und Privatinvestoren, die uns weiterhin unterstützen, werden wir gemeinsam aus der Krise in steigende Märkte fahren. Zudem wollen wir über ein neues Konstrukt, über das ich erst später sprechen möchte, frisches Eigenkapital generieren. Jetzt muss man in den Markt einsteigen. Gerade weil der Markt so kaputt ist, können wir nun sehr gute, gebrauchte Schiffe zu günstigen Preisen kaufen.

Frage: Sehen das Ihre privaten Investoren ähnlich?

Mad Dabelstein :Ja, auch unsere privaten Investoren, die unternehmerisch denken, erkennen den günstigen Zeitpunkt. Wenn der Markt sich nun ab 2014/2015 erholt, werden Schiffe, die heute zu günstigen Preisen eingekauft werden, wieder hohe,Renditen einfahren. Dann wird es auch wieder Käufer für Schiffe geben, die deutlich höhere Preise zahlen.

Frage: Wie viele Schiffe will MarConsult erwerben?

Mad Dabelstein: Wir planen, bis Mitte 2014 bis zu 10 Schiffe zu übernehmen. Unsere Flotte zählt dann etwa 25 Schiffe. Diese Expansion werden wir ohne Probleme managen können. Denn wir haben in der Krise kein Personal abgebaut, weil wir es brauchen, um weiterhin Qualität abzuliefern.

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Die Fragen stellte Andreas Nölting
www.noeltingmedia.com

 

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