Thema Des Monats

Immer eine Hand am Schiff

MarConsult zählt zwar zu den kleineren Reedereien – doch kürzere Wege sind zuweilen ein Wettbewerbsvorteil. Warum der Geschäftsführer auch operative Aufgaben erledigt, wie MarConsult mit Ausnahmesituationen umgeht und mit welchen Erwartungen er auf das kommende Jahr blickt , erklärt Gesellschafter Mad Dabelstein im Interview.

Frage: Herr Dabelstein, Sie kommen etwas verspätet zu unserem Interview. Was ist passiert?

Mad Dabelstein: In der Schifffahrt haben wir es zuweilen mit nicht vorhersehbaren Ereignissen zu tun. Da müssen sich selbst Journalisten ein wenig gedulden. Eines unserer Schiffe ist vor der Küste Floridas durch einen Ausfall der Maschine in Not geraten. Da sich das Schiff in Küstennähe befand, haben wir uns nach intensiver Abstimmung mit Charterer und Versicherung entschlossen, Schlepperassistenz zu beantragen und das Schiff in einen sicheren Hafen bringen zu lassen. Derlei Entscheidungen sind aufgrund späterer Kostenaufteilung zwischen den involvierten Parteien im Detail abzustimmen und erfordern sehr gewissenhaftes Vorgehen.

Frage: Warum macht das bei MarConsult der Inhaber? Sie haben doch gutes Personal?

Mad Dabelstein: Wir haben Sicherheitsrichtlinien und für die einzuhaltenden Standards ein Notfallteam, das derartige Vorfälle sorgfältig und sehr gewissenhaft zu besprechen hat und entsprechende Maßnahmen einleitet. Ich bin in solchen Fällen generell persönlich anwesend. Um aufwändige Fälle, die schnell erhebliche finanzielle Folgen nach sich ziehen können, kümmere ich mich gern selber. Überdies möchte ich meine Kollegen und Mitarbeiter bezüglich zu treffender Entscheidung unterstützen und meine Erfahrung auf diesem Gebiet einbringen.

Frage: Bei MarConsult kümmert sich die Geschäftsführung persönlich um operative Aufgaben. Macht das einen Unterschied zu großen Wettbewerbern?

Mad Dabelstein: Ich kümmere mich nicht generell um operative Aufgaben, unterstütze meine Mitarbeiter aber dort wo mein Rat gewünscht wird. Wir sind als eine kleine Reederei so aufgestellt, dass bestimmte Vorgänge abteilungsübergreifend abgearbeitet und gelöst werden. Schließlich geht es bei solchen Notfällen um viel Geld und die Reputation unserer Reederei. Überdies erfordert die Verantwortlichkeit unseren Geschäftspartnern, Investoren und Banken gegenüber, schnelles und unbedingtes Handeln.

Frage: Entscheidet MarConsult schneller als die Organisationen großer Reeder?

Mad Dabelstein: Ich denke schon, dass kurze Wege und schnelle Entscheidungen ein wichtiger Wettbewerbsvorteil sind, da dadurch weniger Reibungsverluste entstehen. Wir sind praxisorientiert aufgestellt und werden nicht durch eine ineffiziente Bürokratie gebremst.

Frage: Sehen Sie als kleines Unternehmen die Fusionen großer Reedereien mit Sorge?

Mad Dabelstein: Wenn Sie mit „großer Reederei“ die betreffenden Linienreedereien meinen, die sich zu Allianzen zusammenschließen, dann sehe ich für die Trampreeder schon entsprechende Nachteile. Insbesondere für die Trampreeder die Schiffe besitzen, die in direkter Konkurrenz mit den Schiffen der betreffenden Linienreeder stehen. Die Zusammenschlüsse weltumspannender Linienreeder können zu monopolistischen Märkten führen. Aber davor haben wir kaum Angst. Unsere Schiffsgrößen konkurrieren nicht mit denen der großen Linienreedereien. Wir bewegen uns mit unserer Tonnage in einer Nische und fühlen uns gut aufgestellt. Unsere kleineren Schiffe kommen dort zum Einsatz, wo die großen Schiffe nicht hinfahren können, in Häfen, die Längen- und Tiefgangsbeschränkungen vorweisen. Die ständig größer werdenden Containerschiffe transportieren immer mehr Waren, die schließlich auch in die kleineren Häfen transportiert werden müssen. Hierin besteht unsere Aufgabe, das ist das Einsatzgebiet der Schiffe unserer Flotte.

Frage: Wie war 2014 bisher für MarConsult?

Mad Dabelstein: Spannend. Wir sind mit dem bisherigen Verlauf des Jahres und unter Berücksichtigung der nach wie vor schwierigen Marktgegebenheiten sehr zufrieden. Mit der Übernahme von zehn Schiffen sind wir kräftig gewachsen- und konnten die Anzahl der durch uns gemanagten Schiffe fast verdoppeln.

Frage: Gilt das auch für Ihre Investoren?

Mad Dabelstein: Ja, wir sind mit unseren Partnern in einem Segment tätig, in dem die Erwartungshaltung ziemlich heruntergeschraubt wurde. Unser voraussichtliches Ergebnis in diesem Jahr wird die gedämpften Erwartungen wahrscheinlich übertreffen. Wir sind aber grundsätzlich noch lange nicht da, wo wir sein wollen. Der Markt hat sich nicht in dem Maße erholt, wie wir es erwartet hatten. Immer wieder kam es zu Rückschlägen. Die Banken haben noch viele notleidende Schiffskredite in ihren Büchern, die Werte der Schiffe und auch die Charterraten stehen weiterhin unter Druck. Die Stimmung in der Branche ist daher nach wie vor verhalten.

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Die Fragen stellte Andreas Nölting
www.noeltingmedia.com

 

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