Thema Des Monats

„Wenn ein Unternehmer die Zuversicht verliert, dann sollte er aufhören“.

MarConsult hat in 2015 trotz des schwierigen Marktes seine Ziele erreicht. Wie sich das Unternehmen künftig positionieren will, weshalb viele Probleme in der Schifffahrt selbst verursacht sind und mit welchen Gefühlen das MC-Team in das neue Jahr geht, erklärt CEO Mad Dabelstein im Interview.

Frage: Herr Dabelstein, wie ist 2015 für MarConsult verlaufen?

Mad Dabelstein: Das Jahr war ziemlich aufregend und anstrengend. Wir konnten in 2015 trotz des turbulenten und schwachen Marktes allerdings erreichen, was wir uns als Ziel in unserem Businessplan vorgenommen hatten. Unsere Prognose für 2015 ist erfüllt. Durch die Übernahme von zahlreichen Schiffen hatten wir eine enorme Arbeitslast, insbesondere deshalb, weil die überwiegende Mehrheit der angekauften Schiffe technisch überholt werden mussten. Diese technischen Probleme waren uns natürlich vor erfolgtem Ankauf bekannt, mussten aber unter Zeitdruck penibel abgearbeitet werden. Insbesondere unsere Reedereiinspektion unter der Leitung unseres Fleetmanagers Eckhard Stieper hat hier abermals eine sensationelle Leistung gezeigt und zuweilen rund um die Uhr gearbeitet. Ich bin sehr stolz auf unser Team und unsere Leistung.

Frage: Wie viele Schiffe sind zu MarConsult hinzugekommen, wie groß ist die Flotte momentan?

Mad Dabelstein: Wir haben unsere Flotte in 2014 und 2015 um insgesamt 19 gebrauchte Schiffe wie Feederschiffe, Vielzweckfrachter und Bulker erweitert. Wir sehen am Markt eine kontinuierliche Nachfrage nach diesen eher kleineren Schiffstypen, wollen von dieser Nische profitieren. Im Gegenzug haben wir andere, ältere Tonnage aus unserem Bestand zu vergleichsweise guten Konditionen verkauft. Momentan zählt die Flotte von MarConsult 22 Schiffe. Die neu angekauften Schiffe gehören uns überwiegend alleine. Wir haben damit unsere Position vom Bereederer zum Reeder weiter ausgebaut. Überdies wollen wir weiter investieren und interessante Kaufchancen im derzeit noch immer schwachen Markt nutzen. Insgesamt planen wir, unsere Flotte auf 30 bis 35 Schiffe auszubauen.

Frage: Gibt der Markt das her? Viele Reeder beklagen ein rückgängiges Volumen aus China und anderen asiatischen Regionen.

Mad Dabelstein: Alle unsere Schiffe sind beschäftigt und zu rentierlichen Konditionen im Einsatz. Aber es stimmt, wir haben mit schwachen Märkten zu kämpfen. Ich bin in seit 30 Jahren in der Schifffahrt tätig und immer wieder erstaunt darüber, wie die Marktteilnehmer sich immer wieder aufs Neue das Leben schwer machen. Zum wiederholten Male sind zu einem erheblichen Maße unnötige Transport-Kapazitäten durch Neubauten in den Markt gebracht worden, die niemand benötigt. Insbesondere bei den Containerschiffen sind zahlreiche Megacarrier größer als 10.000 bis 20.000 TEU zur Ablieferung gekommen und haben den Markt damit ganz erheblich unter Druck gebracht. Zur Zeit findet ein Verdrängungswettbewerb unter den großen Linienreedereien statt, der zu erheblichem Ratenverfall führt und langsam nach unten durchgereicht zu werden scheint. Erstmals haben wir wieder eine aufliegende Containerkapazität von über eine Millionen TEU. Die Überkapazität sorgt für fallende Frachtraten, die uns als Feeder-Reeder nicht so sehr treffen wie große Schiffstypen, aber das Leben nicht leichter machen.

Frage: Die politischen Unruhen sorgen auch nicht gerade für Entspannung?

Mad Dabelstein: Stimmt. Die gesamte Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein. In vielen Regionen gibt es politische Sanktionen, die den Handel mit Waren ganz erheblich einschränken. So haben die Unstimmigkeiten zwischen Russland und der Ukraine, sowie die wirtschaftliche Entwicklung Chinas zu einem Rückgang des Transport-Volumens aus China und damit zu einem spürbaren Defizit des Containerumschlags nicht nur im Hamburger Hafen geführt. Für 2016 hatten wir ursprünglich steigende Frachtraten erhofft. Die sehe ich im Moment nicht. Ich wäre froh, wenn wir die jetzigen Raten auch im kommenden Jahr erzielen könnten. Das hängt jedoch von der Konjunktur und dem Welthandel ab, den wir leider nicht beeinflussen können. Ich kann den Markt zwar nicht drehen. Aber mit guten Ideen und engen Kontakten zu unseren Charterern, werden wir die Probleme meistern.

Frage: Sind Sie ein Krisentyp?

Mad Dabelstein: Ja, ich bin ein Kämpfer. Wenn ich zur Halbzeit zurückliege, habe ich immer noch die zweite Hälfte, um das Ergebnis zu drehen. Je schwächer die Nerven der Konkurrenten sind, desto stärker werden wir. Man kann Kraft auch aus einer negativen Entwicklung holen. Wir glauben, dass wir mit unserer Flotte eine aussichtsreiche Nische besetzen und haben die nötige Zuversicht, die anderen womöglich fehlt. Zudem sind wir ein autarkes Unternehmen und verfügen über ein exzellentes Team mit hervorragenden weltweiten Verbindungen.

Frage: Mit welchen Gefühlen gehen Sie in das kommende Jahr?

Mad Dabelstein: Wir sind gut vorbereitet und haben das Unternehmen auf breitere Füße gestellt. Ich bin zwar noch die Speerspitze, werde aber aktiv und mit exzellenter Expertise in den verschiedenen Bereichen durch meine Prokuristen und Mitglieder des Boards tatkräftig unterstützt. So haben wir erreichen können, dass ein verlässliches Mehraugenprinzip und damit die unerlässliche interne Kontrolle gelebt wird. Die Qualität unserer Arbeit hat sich dadurch nochmals verbessert. Unser Board besteht aus sehr erfahrenen Schifffahrtsexperten, die neben mir auf eine Jahrzehnte lange Erfahrung in der Schifffahrt zurückblicken und die damit mein uneingeschränktes Vertrauen genießen. Im Board verantwortlich zeichnet für den Bereich Finanzen unser CFO Marcel Becker, für den Bereich nautisch-/technische Inspektion unser Fleetmanager Eckhard Stieper, für den Bereich Projektmanagement und Controlling Jörg-Heiner Wulff sowie für den Bereich Befrachtung und Operation Bernd Müller. Ich bin nicht zuletzt aufgrund unserer zielorientierten Ausrichtung absolut sicher, weiterhin für die künftige Entwicklung unserer Reederei gewappnet zu sein. Wenn ein Unternehmer die Zuversicht verliert, dann sollte er aufhören und daran denke ich noch lange nicht.

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Die Fragen stellte Andreas Nölting
www.noeltingmedia.com

 

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