„Nun ist der Zeitpunkt gekommen, unsere Flotte zu vergrößern“

Frage: Wir haben das Frühjahr 2018. Die Schifffahrt ist noch immer ein schwieriges Geschäft. Wie macht sich MC-Schiffahrt in diesem umkämpften Umfeld?

Mad Dabelstein: Aufgeben können andere, wir kämpfen weiter. Die Szene in der Schifffahrt gleicht  nach wie vor einem Haifischbecken. Die Marktteilnehmer versuchen zu überleben und Marktanteile durch Firmenübernahmen zu gewinnen. Zusammenschlüsse von Unternehmen scheinen für viele der einzig gangbare Weg zu sein. Wir sind weiterhin in unserem Nischensegment tätig und behaupten uns weiterhin erfolgreich in diesem schwierigen Umfeld. Betriebswirtschaftlich wichtig ist, dass wir unsere Schiffe vernünftig betreiben und auslasten können. Dies gelingt uns durch unsere etablierten Abteilungen der Reederei-Inspektion und der Befrachtungsabteilung gleichermaßen. Durch letztere verfügen wir über einen sehr guten Zugang zur Ladungsseite und/oder zu namenhaften Charterern. Die Banken honorieren unsere unternehmerische Leistung und sehen, wie wir uns erfolgreich am Markt behaupten. Überdies haben wir aufgrund der langjährigen vertrauensvollen Kooperation mit unseren Investoren, Zugang zu erforderlichem Eigenkapital, wodurch wir in der Lage sind die geplante Flottenerweiterung nach und nach umzusetzen. Es ist ein guter Zeitpunkt gekommen, unsere Flotte zu vergrößern. Momentan haben wir insgesamt 20 Schiffe im Management, von denen zwei Viehtransporter technisch durch uns betreut werden und die anderen 18 Schiffe sich im Vollmanagement bei uns befinden. Bis auf ein letztes KG-Modell gehören uns 17 dieser Schiffe überwiegend allein oder stehen im gemeinsamen Eigentum mit einem sehr kleinen Kreis befreundeter Investoren. Diese Struktur funktioniert gut, alle beteiligten Partner handeln unternehmerisch denkend, weshalb schnelle Entscheidungen getroffen, zukunftsorientierte Strategien abgestimmt und Investitionen entschieden werden können. Das macht die erforderlichen Gespräche mit unseren Banken zielführender und einfacher, da wir schnell handeln und entscheiden können.

Frage: Macht es Sinn, wieder in Schiffe zu investieren? Ist Größe noch immer ein wichtiger Parameter in der Schifffahrt?

Mad Dabelstein: Die Preise für gebrauchte Schiffe korrelieren mit den heutigen Charterraten. Zum Verkauf stehende Schiffe werden nicht mehr, wie bislang, mit Kaufpreisvorstellungen bedacht, die sich nicht finanzieren oder wirtschaftlich nachvollziehbar darstellen lassen. Damit ist der Ankauf von Tonnage wieder ökonomisch möglich. Die finanziellen Parameter sind gut vereinbar mit den Charterraten, die wir derzeit am Markt erzielen.

Die Marktteilnehmer, insbesondere aber die finanzierenden Banken, scheinen begriffen zu haben, dass nicht der Chartermarkt zu niedrig, sondern vielmehr die auf den Schiffen lastenden Schiffshypotheken zu hoch sind. Die heute in den Finanzierungsbüchern der Banken stehenden Schiffe sind allesamt zu einem Zeitpunkt finanziert worden, der aus heutiger Sicht als Blase bezeichnet werden kann. Zu Zeiten als Charterraten und Bau-/Kaufpreise sich auf historischen Höchstsätzen bewegten. Die Ertragskraft der Schiffe ist wieder auf dem Niveau angelangt, das vor dem Entstehen der Schifffahrtsblase bestand. Dies erfordert ein Anpassen der Schiffswerte an die Ertragskraft und ermöglicht damit erstmalig neue Investitionen in Schiffe.

Wir können feststellen, dass unser Geschäft langsam wieder anzieht. Unsere Schiffe werden sehr gut im Markt nachgefragt und wir können wieder aus mehreren Angeboten auswählen. Die Größe unserer Flotte ist kein Selbstzweck, sie ist vielmehr wichtig für Akzeptanz am Markt und für die ökonomische Effizienz der bereederten Schiffe unseres Unternehmens. Wir brauchen für die doppelte Anzahl an Schiffen, nicht die doppelte Anzahl an Mitarbeitern. Problemlos können wir mit unserem derzeitigen Mitarbeiterstamm 30 bis 35 Schiffe managen, ohne dass wir das Personal spürbar aufstocken und einen teuren zusätzlichen Apparat aufbauen müssten.

Frage: Wer sind Ihre Investoren und wie stehen sie zu den Expansionsplänen? 

Mad Dabelstein: Unsere Investoren sind unternehmerisch handelnde Privatpersonen und Familiy-Offices, sowie teilweise auch institutionelle Anleger. Transparenz und Vertrauen stehen im Vordergrund, die mangelnde Alternative an Investitionen in Sachwerte macht die Unternehmensbeteiligung an einer Reederei oder deren Holding attraktiv. Die Immobilienpreise sind bereits stark gestiegen und es ist möglich, dass sich eine Blase bilden und platzen könnte. Die Mehrheit unserer in Immobilien engagierten Investoren vertritt die Auffassung, dass es für Investments in der Asset-Klasse Immobilie zu spät ist. Die Börse wiederum bietet aus Sicht unserer Investoren auch keine transparente Alternative, es besteht vielfach eine gewisse Skepsis gegenüber Investments in Aktien. Der lange schwer gebeutelte Schiffsmarkt hingegen hat den Boden gefunden und erholt sich allmählich. Die Überkapazitäten an Frachtraum werden langsam abgebaut, weil die Zahl der Neubauten weiter sinkt. Und auch die Banken sind bereit, die Bewertungen für notleidende Schiffe in ihrem Portfolio anzupassen. Da ergeben sich gute Investitionschancen für uns. So ist das private Placement von Schiffen insgesamt wieder von Interesse und potenzielle Investoren kommen immer häufiger auf uns zu. Unsere Investoren sind Unternehmer und kennen die Risiken.

Frage: Wo steht MC-Schiffahrt in drei Jahren und wie wollen Sie die Ziele erreichen?

Mad Dabelstein: Ich denke, dass wir in 2020 um die 35 bis 40 Schiffe haben werden. Unsere Flotte wird dann aus Containerschiffen bis zu 5.000 TEU, MPP-Schiffe bis zu 25.000 Tonnen und Handysize-Bulk-Carrier zwischen 35.000 und 40.000 Tonnen bestehen – dies zumindest ist das erklärte Ziel, ohne das die genannten Schiffsgrößen in den Stein gemeißelt sind. Wir bauen unsere Befrachtungsabteilung derzeit stark aus, um dadurch den bestehenden Zugang zur Ladungsseite und Charterern weiter zu intensivieren. Im Hinblick auf unsere MPP-Flotte haben wir unlängst eine Charteringplattform „MCO7“ mit unseren langjährigen dänischen Freunden Ocean7 gegründet. Dadurch ist unsere aus bislang fünf Mitarbeitern bestehende Befrachtungsabteilung um weitere fünf dänische Kollegen verstärkt worden. Hierbei ist unerheblich, dass unsere mit Thorco bestehende Kooperation zwischenzeitlich aufgelöst wurde – zu unterschiedlich waren die Erwartungen auf beiden Seiten.

Im Fokus steht und stand stets die optimale Beschäftigung unserer Schiffe, die wir mit diesem Schritt untermauert haben. Im Containerbereich diskutieren wir zudem mit einem uns nahestehenden Partner, wie wir uns gemeinsam am Markt positionieren. Allianzen sind in unserem Geschäft wichtig und können bewirken, dass wir in zwei bis drei Jahren eine Befrachtungsabteilung bestehend aus 15 bis 20 Mitarbeitern aufgebaut haben. So wollen wir weiterhin das Optimum für unsere Schiffe und für die an ihnen beteiligten Investoren erzielen.

 

Das Interview führte Andreas Nölting

www.noeltingmedia.com