„Unsere Stärke ist es, marode Schiffe wieder in einen guten Zustand zu bringen.“

Frage: Herr Stieper, Sie sind der Fleet Manager bei MarConsult? Welche Aufgaben haben Sie?

Eckhard Stieper: Meine Abteilung besteht aus fünf Inspektoren, drei Einkäufern, einer Assistentin und drei Mann, die sich um die Schiffsicherheit und die Crew kümmern. Wir kümmern uns um alle 24 Schiffe von MarConsult. Ich überwache und leite die technischen und nautische Inspektionen unserer Flotte. Wir müssen zuverlässig das Material und den Service bereitstellen, der benötigt wird, um das vercharterte Schiff funktionsfähig zu halten: Die Mannschaft, Proviant, Versicherungen, Sicherheitszertifikate, Ersatzteile oder Schmierstoffe. Der Charterer unserer Schiffe muss sich um solche Dinge nicht kümmern. Er erwartet von uns, dass er ein technisch einwandfreies und voll ausgestattetes Schiff bereitgestellt bekommt. Die Inspektoren sind regelmäßig an Bord und überprüfen den Zustand der Schiffe, kontrollieren die Maschinenlaufzeiten, die Wartungsintervalle und unsere Einkäufer bestellen Ersatzteile und organisieren den Service.

Frage: Welche Schäden an den Schiffen machen Ihnen besondere Probleme?

Eckhard Stieper: Die gravierendsten Auswirkungen hat natürlich eine defekte Hauptmaschine, weil das Schiff dann nicht mehr einsetzbar ist. Wenn ein Schiff festliegt, erhalten wir auch keine Chartereinnahmen. In diesem Fall müssen wir Techniker extrem schnell sein, die Teile, die Reparatur und den Service organisieren. Auch die Kräne sind recht anfällig und wir haben daher meist Reserveseile, Bremsen und andere Ersatzteile an Bord. Denn wenn unser Kunde in bestimmten Häfen ohne Kran seine Ladung nicht löschen kann, wird das sehr teuer. Bei heiklen Reparaturen werden wir gerufen und unsere Inspektoren gehen auf das Schiff. Wir haben viel Erfahrung gesammelt und können beurteilen, wie die Reparatur auf einer Werft richtig durchgeführt wird.

Frage: Sie schauen sich auch gebrauchte Schiffe an und machen entsprechende Wertgutachten?

Eckhard Stieper: MarConsult erwirbt in der Regel gebrauchte Schiffe und lässt nur selten neu bauen. Wenn wir uns also entschieden haben, dass wir unsere Flotte erweitern wollen, schauen wir genau hin, ob die uns interessierenden Schiffstypen angeboten werden, in welchem Zustand sie sind und ob sie den geforderten Preis wert sind. Wir analysieren vorher die Beschaffenheit des Schiffes und der Hauptmaschine durch die vorliegenden Daten, ohne das Schiff überhaupt sehen zu müssen. Dann versuchen wir vom Verkäufer bestimmte Details wie die Laufzeiten der Aggregate, die Besichtigungsreporte, die Stahlmessungen und diverse Bilder zu besorgen. An diesem Material können wir schon einiges erkennen und Aussagen über den Zustand treffen. Wenn uns die Daten zusagen, fahren wir los und besichtigen die Schiffe, schauen uns die kritischen Bauteile genau an. Nach einer gründlichen Inspektion, die etwa zwei Tage dauert, können wir in etwa beziffern was noch zusätzlich zum Kaufpreis investiert werden muss, damit das Schiff unseren Qualitätsansprüchen genügt. Zum Glück haben wir noch nie ein gebrauchtes Schiff erworben, das uns nach dem Kauf schwer enttäuscht hat.

Frage: Welcher Schiffstyp interessiert Sie am meisten?

Eckhard Stieper: Das sind wohl Multipurpose Schiffe. Dieser Typ ist momentan am gefragtesten. Diese Schiffe sind universal einsetzbar – für Stückgut, Container und auch Massengut. Wir sehen uns ebenso Bulker an, weil diese momentan günstig zu bekommen sind. In den vergangenen Monaten haben wir uns vier Schiffe angeschaut, aber keines gekauft. Unsere Stärke ist es, marode Schiffe wieder in einen guten gebrauchten Zustand und in die Fahrt zu bringen. Wir haben in den vergangenen Jahren einige sehr desolate Schiffe übernommen und wieder in Stand gesetzt. Ein externer Experte einer Versicherung hat uns kürzlich bestätigt, dass wir die Gelder sehr sinnvoll in die Instandsetzung investiert haben. Über dieses Urteil haben wir uns sehr gefreut.

Frage: Im Einkauf liegt also der Erfolg?

Eckhard Stieper: So ist es. Je günstiger wir das gebrauchte Schiff einkaufen, desto niedriger ist die Belastung für das Schiff und umso weniger Chartereinnahmen benötigen wir, um einen positiven Deckungsbeitrag zu erwirtschaften. Zudem muss das Geld für die Instandsetzung richtig eingesetzt werden. Das Angebot am Markt ist groß. Der Markt ist ziemlich unübersichtlich, weil in Asien viele Weften in Konkurs gehen. Doch nach acht Jahren Krise haben viele Reeder an der Wartung gespart. Da muss man die richtige Nase und ein wenig Glück haben, um versteckte Mängel zu entdecken.

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Die Fragen stellte Andreas Nölting
www.noeltingmedia.com