„Vertrauen ist die Grundlage eines jeden Geschäfts.“

Frage: Herr Dabelstein, warum hat der Begriff Schiffsbeteiligung bei vielen Anlegern einen so schlechten Klang?

Mad Dabelstein: In den vergangenen Jahren haben Fondsinvestoren viel Kapital verloren und so ist reichlich Vertrauen in die „Investition Schiff“ verloren gegangen. Kein Wunder also, dass private Anleger bei diesen schlechten Erfahrungen vor erneuten Investments in Schiffen zurückschrecken. Doch in Deutschland hinterfragt man ungern, ob man selber etwas falsch gemacht haben könnte, sondern sucht schnell den Fehler woanders. In meinen Augen wurden die überwiegenden Schiffsbeteiligungen aus steuerlichen Gründen und in Unkenntnis des wirtschaftlichen Risikos aufgrund der unternehmerischen Beteiligung gezeichnet. Ansprechpartner für das Gros der Investoren waren in den meisten Fällen Vertriebsprofis und Sparkassenschalter, die weder über ausreichenden Sachverstand noch über spezifische Kenntnisse der Schifffahrt verfügten. Rund 14 Milliarden Euro wurden jährlich für Schiffsbeteiligungen gezeichnet und von überwiegend branchenfremden Investoren über Vertriebler und Emissionshäuser in von diesen initiierte Fonds platziert. Die Reeder haben das viele Geld dankbar genommen und so Schiffe finanziert, die der Markt tatsächlich nicht nachfragte. So entstanden Überkapazitäten, die den Markt zeitgleich mit der Lehman-Pleite kippen ließen. Die überwiegende Anzahl der sogenannten KG-Fonds sind im Zuge dessen in wirtschaftliche Schieflage geraten, Kommanditisten wurden aufgefordert ihre betreffenden Schiffsgesellschaften mit Wiedereinlagen von erhaltenen Ausschüttungen zu stützen, was in einer Vielzahl der Fälle nicht gelang und schließlich zu Insolvenzen führte. Nun trennt sich die Spreu vom Weizen und die Bereinigung des Marktes nimmt ihren unausweichlichen aber auch notwendigen Lauf. Bei Schiffsbeteiligungen kommt es nun wieder auf Sachverstand und vor allem unbedingtes Vertrauen unter den handelnden Partnern auf Reeder- wie auf Investorenseite an.

Frage: Haben Sie nun Schwierigkeiten, neue Investoren für Beteiligungen an Ihren Schiffen zu gewinnen?

Mad Dabelstein: Eigentlich nicht. Unsere Investoren sind keine Kleinanleger sondern erfahrene Unternehmer, die genau wissen was sie tun. Ein erstes Gespräch mit einem interessierten Investor nimmt mehrere Stunden Zeit in Anspruch, in denen ich mindestens zwei Stunden die Risiken beschreibe und anhand von Beispielen aus der Praxis anschaulich darlege. Im Anschluss an das erste Gespräch folgen in der Regel weitere Termine, in denen ich gemeinsam mit unserem CFO, unserem Fleetmanager und unserem Projektmanager ausführlich das beabsichtigte anzukaufende Schiff erkläre und in dem wir detailliert die zu Grunde liegende Kalkulation erläutern. Hierbei gehen wir die basierenden Schiffsbetriebskosten genauso penibel durch, wie die aufgrund der erwarteten Marktentwicklung kalkulierten Charterraten. Sind beispielsweise die Schiffsbetriebskosten zu niedrig angesetzt, geht die gesamte Rechnung später nicht auf. Wir kalkulieren daher lieber konservativ und sehr vorsichtig, also mit höheren Betriebskosten und niedrigeren Chartereinnahmen. So kommt man bei der Investitionsrechnung zwar auf weniger hohe Renditen, ist aber auf der sichereren Seite. Ich bin Reeder und muss mich in Anbetracht des Umstandes, das für den Ankauf eines Schiffes insgesamt erforderliche Eigenkapital nicht alleine erbringen zu können, bei mir vertrauten und bekannten Geschäftspartnern vorstellen und diese um deren Mithilfe bitten. Nicht zuletzt daher muss ich im späteren Verlauf des zu betreibenden Schiffes unter Beweis stellen, dass unsere Annahmen eingehalten werden können. Überdies sind wir keine Vertriebler, verdienen also nicht an der Vermittlung des Eigenkapitals in unsere Schiffe, sondern vielmehr am späteren Erfolg unserer Beteiligung an den Schiffen und der laufenden Beschäftigung. Wir denken in Schiffen, wir denken in Technik, wir denken in Chartermärkten. Als Unternehmer möchte ich langfristig und vertrauensvoll mit unseren Investoren zusammenarbeiten, sehe Vertrauen als Grundlage eines jeden Geschäftes.

Frage: Wie bauen Sie das Vertrauen zu Ihren Investoren auf?

Mad Dabelstein: Ich bin bei dem Kauf eines Schiffes mit eigenem Geld dabei, gehe mit unseren Investoren gemeinsam ins Risiko. Wir schaffen Transparenz und erstellen ein zeitnahes Monatsreporting, das regelmäßig monatlich an unsere Investoren verschickt wird und diesen einen tiefen Einblick in die Wirtschaftlichkeit ihrer Beteiligung, ihres Schiffes gewährt. Es geht bei uns nicht um Steueroptimierung, sondern vornehmlich um ein wirtschaftlich sinnvolles, mit überschaubaren Risiken behaftetes, Investment.

Frage: Was passiert beim Verkauf eines Schiffes?

Mad Dabelstein: Ziel unserer Investition ist, das betreffende Schiff lukrativ und damit im Sinne der Eigentümer zu betreiben. Die Kaufpreise basieren in aller Regel auf der Ertragskraft der Schiffe, weshalb aufgrund der momentanen Marktgegebenheiten, Schiffe heute zu sehr attraktiven Preisen gekauft werden können. Der sprichwörtliche Gewinn liegt bekanntlich im Einkauf. Wir können heute ca. fünf Jahre alte Schiffe zu Preisen erwerben, die erheblich unter dem damaligen Neubaupreis und unter dem Durchschnittspreis der vergangenen Jahre des betreffenden Schiffstyps liegen, nur weil die momentane Ertragskraft dieses Schiffes zur Zeit sehr niedrig ist. Auch hier ist entscheidend, in welchen Schiffstyp und in welche Schiffsgröße investiert werden soll. Grundsätzlich ist bei unseren jüngsten Investitionen zu sagen, dass die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Marktverschlechterung weitaus geringer ist, als die baldige Erholung des Marktes. Erholt sich der Markt, steigen die Charterraten und damit die Ertragskraft des Schiffes. Dies wäre dann der Moment, an dem wir mit unseren Partnern über den Verkauf des betreffenden Schiffes nachdenken und diesen gegebenenfalls auf der erforderlichen Gesellschafterversammlung beschließen.

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Die Fragen stellte Andreas Nölting
www.noeltingmedia.com